Ada, mein blauer Cubebot, begrüßt mit ausgestreckten Armen die Morgendämmerung über der Saarschleife.

Als Raupen noch das größte Problem waren – #reiseknick2018, Tag 9

Schon Wochen vor­her waren sie immer mal wie­der ein The­ma gewe­sen, an die­sem Tag soll­te ich ihnen zum ers­ten Mal leib­haf­tig begeg­nen: Eichen­pro­zes­si­ons­spin­nern. Was waren das noch Zei­ten, als die­se klei­nen Tie­re unser größ­tes Pro­blem zu sein schie­nen. Aber noch war es nicht so weit. Noch war ich ein­hun­dert Kilo­me­ter von ihnen ent­fernt und dach­te nicht im Traum dar­an, dass Rau­pen für mich zur Her­aus­for­de­rung wer­den wür­den. Doch der Rei­he nach.

Unterwegs

Wir erin­nern uns: der Weg in Mor­pheus’ Arme am Vor­abend hat­te sich als reich an Hin­der­nis­sen erwie­sen. Man soll­te mei­nen, dass ich daher an die­sem 19. Juni 2018 eher spä­ter auf­wa­chen wür­de. Pus­te­ku­chen! Pünkt­lich zur Mor­gen­däm­me­rung um kurz nach fünf war ich wach, nur um ein paar Jung­spun­de laut redend den offi­zi­ell noch ver­schlos­se­nen Baum­wip­fel­pfad hin­auf­schlei­chen zu hören. Da woll­te wohl noch jemand die Son­ne begrü­ßen, und begrüßt wer­den woll­te sie wohl unbe­dingt. Auf den letz­ten Drü­cker gesell­te sich ein Biker zu mir aufs Pla­teau, Musik in den Ohren und die Augen zum Hori­zont gerich­tet, saß er auf der Mau­er und genoss das Spektakel.

Morgendämmerung über der Saarschleife: Der Dunst wabert noch durchs Tal, gestattet aber schon einen Blick auf den Fluss. Am Horizont schleicht sich der letzte Rest der Morgenröte zwischen die Wolken hinweg.

An Schlaf war danach nicht mehr zu den­ken. Also pack­te ich mei­nen Krem­pel und mach­te mich auf dem gefühlt längst­mög­li­chen Weg – über Orscholz, Nohn und Dreis­bach – zurück an die Saar. Bis Saar­brü­cken war das, weil auch das Wet­ter mit­spiel­te, abso­lut nichts Neu­es, sodass ich fast schon beschloss, in Saar­brü­cken den Tag Tag sein zu las­sen, obgleich es nicht ein­mal 13 Uhr war. 

Ada, mein blauer Cubebot, sitzt mit einem gelben Blümchen in der Hand auf einer braunen Treppestufe und sonnt sich.

Eine aus­gie­bi­ge Mit­tags­pau­se mit Tüten­nu­deln und Joghurt konn­te mich aber umstim­men, auch wenn am Ende aus „nur noch bis Sar­re­guemi­nes“ doch noch etwas ande­res wer­den soll­te, denn plötz­lich – im Sin­ne von „eher als gedacht“, da gefühlt direkt am Orts­aus­gang von Saar­brü­cken – war ich in Frank­reich. Beru­hi­gend zu wis­sen: selbst dort, am Saar­ka­nal, kleb­ten die guten, alten, aus Wup­per­tal ver­trau­ten „AZ Gathe bleibt!“-Auf­kle­ber. Bis dahin war auch noch alles gut, zumal auch der Abschnitt am Kanal mit sei­nen klei­nen Schleu­sen durch­aus reiz­voll war. Ab Sar­re­guemi­nes lern­te ich dann aber die fran­zö­si­schen Rad­we­ge zu has­sen und sehn­te mich nach dem Fli­cken­tep­pich in Düs­sel­dorf zurück. Allein: es half nix, wes­we­gen ich mich beeil­te zurück nach Deutsch­land zu fah­ren, zumal auch die fran­zö­si­schen Hin­weis­ta­feln zum Glan-Blies-Weg nicht wirk­lich ergie­big waren. So kam ich dann bis Gers­heim und war bereits im Begriff, mich in einer geräu­mi­gen Grill­hüt­te (die fak­tisch wohl eher auf Nie­der­gail­ba­cher Grund stand) häus­lich ein­zu­rich­ten, als mein Blick auf den Boden fiel.

Irgendwo im Bliesgau: Felder und Waldstücke wechseln sich bis zum Horizont ab, durchschnitten von einzelnen Alleen. Links am Bildrand ist eine kleine Siedlung, im HIntergrund liegt ein Ort im Tal. Der Himmel ist leicht bewolkt.

So schnell hat­te ich noch nie mei­ne Sachen gepackt. Auf Rau­pen, jeden­falls wel­che des Eichen­pro­zes­si­ons­spin­ners, die ihren Namen offen­kun­dig nicht ohne Grund tru­gen, hat­te ich abso­lut kei­ne Lust, schon gar nicht als Zim­mer­nach­barn. Wie­der unten in Gers­heim fiel mein Blick auf einen Weg­wei­ser zu einem Cam­ping­platz, dem ich nach einem Blick ins Inter­net auch zu fol­gen wag­te. Er lag zwar im Nach­bar­ort, aber kei­ne drei Kilo­me­ter ent­fernt, und er wur­de von Nie­der­län­dern geführt. Jack­pot! Da war auch die fuß­ball­be­dingt ver­wais­te Rezep­ti­on kein Pro­blem, traf ich doch auf die Che­fin vom Gan­zen, die gera­de auf Hun­de­run­de war. Ich durf­te mir ein Plätz­chen aus­su­chen, und weil es schon recht spät war, beließ ich es auch dabei und tat nicht viel mehr als kochen, essen und abwa­schen – und duschen. Für irgend­was müs­sen Cam­ping­plät­ze ja gut sein.

Ada, mein blauer Cubebot, liegt mit dem, Rücken zur Kamera im Gras und entspannt sich.

Die Strecke

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