Schon wieder ist ein Jahr um. Auch wenn es viele andere, und vielleicht auch bessere Momente gäbe um innezuhalten, will ich doch dieses Altjahrsabend nutzen, um auf das abgelaufene Jahr zurückzublicken, ehe ich mich in das neue Jahr stürzen werde.
Wie 2026 wird, kann ich nicht sagen. Wie der Jahresrückblick wird, weiß ich aber recht gut … (… sagte er, bevor er tatsächlich schrieb, was ihr nun lesen könnt). Ich habe also den Rückblick von 2024 (siehe auch: 2023, 2022, 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012) wieder aus der Garage geholt, ihn gereinigt und gefettet und die alten Antworten durch neue ersetzt. In diesem Sinne: Abfahrt!
Mehr Kohle oder weniger? Es kommt mehr rein …
Mehr ausgegeben oder weniger? … aber es geht auch mehr raus.
Mehr bewegt oder weniger? Kommt auf das Verkehrsmittel an.
Der schönste Moment? … verweilte nicht, er war zu schön.
Das eindrücklichste berufliche Erlebnis? Ein Ausflug nach Wiesbaden. Ja, das ist auch eine schöne Stadt, aber der Workshop war noch besser, und von den Räumlichkeiten kann man sich auch ein wenig abschauen.
Der hirnrissigste Plan? Sich bei der Routenplanung auf Komoot zu verlassen. Ein klassischer Fall von „Play stupid games. Win stupid prizes.“
Die gefährlichste Unternehmung? Bahnfahren. Obwohl: gefährlich ist daran nur, eine ereignislose Zeit zu erwarten.
Der beste Sex? Jo.
Die teuerste Anschaffung? Am Stück: ein Klimagerät. Gestückelt und mit ein bisschen Fantasie: eine halbe BahnCard 100 … So viel, wie ich in diesem Jahr mit der Bahn gefahren bin, haut das zusammen mit dem Deutschlandticket schon hin.
Das leckerste Essen? Abendessen auf Schloss Krickenbeck.
Das beeindruckendste Buch? „A History of the Roman Empire in 21 Women“ – ein Buch über die Geschichte des römischen Reichs, das eben nicht von Kriegen, Senatoren, Mord und Totschlag erzählt, jedenfalls nicht nur, denn natürlich waren auch die Frauen im Römischen Reich von den „großen“, „berichtenswerten“ Dingen betroffen. Klar geht es auch um die bekannten Eckdaten, die man in der Schule mal kennengelernt haben könnte, aber da sind auch viele neue Einblicke und Perspektiven dabei. Was das Buch aber für mich so besonders macht, ist dass ich der Autorin Dr. Emma Southon förmlich ihre „zero fucks given“-Attitüde, ein herzhaftes „Oah, Männer!“ zwischen den Zeilen, nein AUS den Zeilen entnehmen kann, und dass sie sich trotzdem nicht allzu ernst nimmt. Um nur eine Stelle über die Gründung Roms zu zitieren: “Like all new spaces that seem full of opportunity for those who have little to lose (the Wild West, cryptocurrencies), early Rome primarily attracted men of a — shall we say — challenging temperament.” Oder über die Vestalinnen (römische Priesterinnen, die u.a. Heiligtümer im Tempel der Vesta zu bewachen hatten): “Now the reason I’m telling you this, even though it is not strictly relevant, is that the sacred objects were kept in a special room, a room only these six lifelong virgins could legally enter, these women who would never experience the touch of a man. The Romans called that room the penus. Now straight back to the important stuff. […] In certain ways, the Vestals — with their protection of the hearth and the penus (stop it) — were Rome.” In anderen Worten: Ja, das Buch ist interessant, aber es ist auch lustig – und das ist vielleicht für ein Buch, das einen altbekannten Thema eine neue Perspektive abgewinnen will, vielleicht nicht die schlechteste Kombination. Und wer vorher noch ein bisschen was über das Buch hören will, kann das in dieser Podcast-Folge von Geschichten aus der Geschichte tun.
Der ergreifendste Film? Ich war tatsächlich wieder mal im Kino, für „Jurassic World Rebirth“. Well. Nettes Popcorn-Kino, das dem üblichen Schema folgt und altbekannte Klischees aufwämt. Wenn man darüber hinweg sehen kann, ist es aber dennoch ganz okaye Unterhaltung. Im Großen und Ganzen war 2025 aber eher ein Serien-Jahr.
Die beste Musik? „In exitu Israel“ von Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville, der als Zeitgenosse von Jean-Philippe Rameau zeitweilig im Dunstkreis des Hofs von Ludwig XV. wirkte und vor allem für Grands Motets (wie die eben erwähnte) bekannt wurde. Noch mehr Barock und noch französischer kann es kaum werden, und wenn es davon mehr als nur das Digitalisat des Originalmanuskripts online gegeben hätte, hätte ich niemals den Ehrgeiz gefasst, das Ding setzen zu wollen. Die ersten drei Sätze hab ich schon, der vierte (und in meinen Augen auch schönste) ist aktuell in Arbeit.
Das schönste Konzert? Herman van Veen in Neunkirchen. Dass ich den nochmal sehen und hören würde – und er hat nichts von seiner Magie verloren; er und Edith Leerkes und alle, die an diesem tollen Abend beteiligt waren.
Die interessanteste Ausstellung? Fand auch in diesem Jahr wieder ohne mich statt.
Der spannendste Theaterbesuch? Fand auch in diesem Jahr wieder ohne mich statt.
Der schönste Ort? Utrecht, my love.
Das nötigste Gadget? Die Kamera. Wie sonst soll ich denn Hunde fotografieren?
Die wichtigste Erkenntnis? Manchmal kann man mit ganz wenig Einsatz ganz viel bewirken.
Die unwichtigste, aber witzige Erkenntnis? „Es ist seltsam: An Tagen, an denen ich ein Dubbeglas am Schreibtisch stehen habe, schaffe ich es ohne Mühe mehr zu trinken als an anderen Tagen.“
Das bedeutsamste Spiel? Kniffel, denn es bringt Leute zusammen, und das ohne großen Aufwand.
Die meiste Zeit verbracht mit …? … dem Hund.
Die schönste Zeit verbracht mit …? … C.
Vorherrschendes Gefühl 2025? Hoffen und bangen.
Zum ersten Mal getan? Stammzellen gespendet. Rein vom Prozedere her ist das alles halb so wild, zumal es in der Theorie recht simpel ist. Erst wurde geschaut, wann es mir und der anderen Person bzw. deren Klinik passt, dann wurde geschaut, welche Klinik hier zu dem gewünschten Datum Zeit und Platz für die Stammzellenspende hatte. Als das klar war, gab es einen Termin für ein gründliches Check-Up (Anamnese, Blutdruck, Temperatur, EKG, Ultraschall, Blut- und Urinprobe), bei dem mir auch das ganze Verfahren erklärt wurde. Spoiler Alert: dass das Rückenmark unter Vollnarkose angezapft wird, passiert nur noch in rund 10 Prozent der Fälle. Die anderen 90 Prozent finden in Form einer Apharese statt, also quasi ähnlich zur Dialyse. Nach etwa zwei Tagen waren alle Blutwerte geprüft und ich aus ärztlicher Sicht zur Spende freigegeben. Der nächste Schritt wäre dann ab dem vierten Tag vor der Spende die Gabe eines Medikaments gewesen, das die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut geschwemmt hätte. Da aber aus medizinischen Gründen die Spende mehrmals verschoben werden musste, sollte es mehr als ein halbes Jahr dauern, bis es dann tatsächlich so weit war. Die beliebteste Nebenwirkung – Grippesymptome wie Gliederschmerzen und Schlappheit – hab ich natürlich auch mitgenommen. Die Spende selbst war dann so unspektakulär wie der Prozess an sich auch: man wollte noch eine Blutprobe, um abschätzen zu können, wie lange ich an die Apharese-Maschine musste, und dann lag ich da für vielleicht vier Stunden und ließ mir die Stammzellen aus dem Blut filtern. Danach gab es Mittagessen, eine Bestätigung, dass ich genügend Stammzellen gespendet habe (das kann manchmal auch anders sein, zum Beispiel, wenn die Spende von einer kleinen, zierlichen Person für einen großen, schweren Hünen ist), und ein kleines Dankeschön. Und das war es auch schon. … Das muss man sich mal vorstellen: vor zehn Jahren hab ich mir so ein Testset bei der DKMS bestellt und mir ein Wattestäbchen in den Mund geschoben, und jetzt ist es da eine Person, die dadurch eine Chance bekommen hat, doch nicht an Blutkrebs sterben zu müssen. Und alles, was es mich gekostet hat, war ein bisschen meiner Zeit, ein bisschen Überwindung (ich mag halt keine Nadeln), und ein paar Millionen Stammzellen. Den Verdienstausfall, Anreise, Übernachtung und Verpflegung übernimmt die DKMS. Werbung Ende.
Nach langer Zeit wieder getan? Jemanden von der Arbeit privat kennengelernt. Es ist … bereichernd.
Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? Verschiebungen, Verspätungen, versunkene Waschküchenböden.
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Dieses Jahr musste ich kaum Überzeugungsarbeit leisten.
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Ein paar Stammzellen. (Sorry, C. Damit kann nicht einmal ein Airfryer mithalten.)
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Eine Zugfahrt nach Elmstein.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? (Ich bin so schlecht darin, mir solche Dinge zu merken. Ich sollte sie aufschreiben.)
Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? (Ich bin so schlecht darin, mir solche Dinge zu merken. Ich sollte sie aufschreiben.)
2025 war mit einem Wort? Hinhaltend.
Gute Vorsätze SMARTe Ziele für 2026? Bis Ende Januar will ich in der Fahrschul-App eine grüne Ampel haben und zur Vorprüfung angemeldet sein. Bis Ende Februar will ich dann die Theorie-Prüfung bestanden haben. Bis Ende Mai will ich so viel Fahrpraxis gesammelt haben, dass ich zur praktischen Führerscheinprüfung angemeldet bin.
Foto: Sicco2007 – CC-BY-NC-ND 2.0 – flickr.com
0 Kommentare zu „Das war das Jahr, das war: Jahresrückblick 2025“